Modernes Arbeiten in historischem Umfeld – das Carlswerk in Köln Mülheim

von Jana Wehmeyer

von Jana Wehmeyer

Das Carlswerk in Köln Mülheim erfreut sich seit mehreren Jahren wachsender Beliebtheit als urbanes Stadtquartier. Der Standort, welcher mittlerweile hauptsächlich medienlastig und kulturell genutzt wird, erlebt jedoch nicht zum ersten Mal eine derartige Aufmerksamkeit.


Die Geschichte des Carlswerks zieht sich bis in das 19. Jahrhundert, als hier einer der bekanntesten Drähte- und Kabelhersteller seine Produktion startete. Noch heute erinnern die alten Backsteinbauten mit ihren großen Sprossenfenstern und dicken Stahldachkonstruktionen an vergangene Zeiten, als die Seilerei Felten & Guilleaume hier 1874 mit der Produktion von Kabeln und Drähten begann. Das Unternehmen wuchs durch den Zukauf diverser Firmenanteile, beispielsweise dem Clouth-Werk in Nippes, immens und beschäftigte zu Spitzenzeiten über 23.560 Mitarbeiter. Neben dem ersten transatlantischen Telefonkabel, welches 1904 erstmals Telefonate zwischen Deutschland und Amerika ermöglichte, stammen beispielsweise die Bestandteile der Rheinseilbahn oder der Rodenkirchener- und Mülheimer Brücke aus der Produktion im Carlswerk.

Nach Einstellung der Produktion kaufte ein internationaler Investor das Areal. Ab diesem Zeitpunkt, begann ein aufwendiger Renovierungsprozess in mehreren Schritten, welcher sich bis Mitte 2010 zog. Nacheinander wurden die mehr als 20 brachliegenden Gebäude, welche zwischen 1896 und 1984 erbaut wurden, aufwendig saniert. Rund um das Kernstück, das 103 Meter lange Hauptgebäude, entstand ein hochwertiger Gewerbecampus. Der Projektentwickler schaffte es in dieser Zeit, trotz erschwerter Denkmalschutzbedingungen und notwendiger Nutzungsumwandlungen, den geschichtsträchtigen Stil der ehemaligen Produktionsstätte am Leben zu erhalten und dort auf ca. 126.000 m² Bürolofts und Gastronomie sowie Platz für kulturelle Angebote zu schaffen. Ab Fertigstellung der ersten Gebäude siedelten sich dort erste Unternehmen aus der Medienbranche an und auch das Gastronomie-Angebot wurde neben Freizeitangeboten, wie einer Boulderhalle und dem Schauspiel Köln, ausgebaut.

Somit bietet das Carlswerk nicht nur für gewerbliche Nutzer ein optimales Umfeld. Das Quartier passt sich aufgrund seiner Vielfältigkeit gut seinem Umfeld an und bietet gleichzeitig für die Bewohner in Mülheim einen echten Mehrwert. Etwa das Carlswerk Viktoria fungiert als Veranstaltungsstätte für bis zu 1.600 Personen in industriellem Umfeld. In unmittelbarer Nähe finden sich außerdem die bekannten Eventlocations „E-Werk“ und „Palladium“.

Die Idee und Umsetzung der Aufwertung des ehemals brachliegenden Quartiers hat einen großen Beitrag zur Attraktivität des gesamten Viertels geleistet. Mülheim ist beliebt wie lange nicht mehr – und das bei Gewerbetreibenden und Bewohnern gleichermaßen.

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