Gentrifizierung in Köln

von Jana Wehmeyer

von Jana Wehmeyer

Kaum eine andere Branche unterliegt so sehr dem Wandel wie der Immobilienmarkt. Neue Bauprojekte, teilweise ganzer Stadtquartiere, geben unseren Städten immer wieder neue Gesichter. Aber auch äußere Einflüsse, wie politische Entscheidungen und soziale Entwicklungen, halten den Markt laufend auf Trab.


Köln ist vielfältig – genau wie seine Bewohner. Kein Viertel gleicht dem anderen. In Lindenthal schätzen Familien die ruhige Atmosphäre rund um den Stadtwald; Ehrenfeld lockt Studenten mit coolen Bars und Cafés. Daneben gibt es die vernachlässigten, fast vergessenen Viertel von Köln. Stadtteile wie Mülheim, Kalk oder Höhenberg haben in der Stadt eher einen schlechten Ruf, nicht zuletzt wegen der fehlenden Attraktivität, wenig Freizeitangeboten und vermeintlich hoher Kriminalitätsraten.

Seit einigen Jahren holen sich ein paar dieser Viertel ihre Aufmerksamkeit jedoch wieder zurück. Zu beobachten ist der Vorgang der Gentrifizierung, welcher erstmalig Ende des 19. Jahrhunderts in London beschrieben wurde, wonach infolge der Aufwertung eines Stadtteils in Kombination mit zunächst noch niedrigen Mieten, interessierte Studenten, Künstler und junge Familien angezogen werden. Bald folgen neue Geschäfte, Cafés und Freizeitangebote. Es entsteht eine soziale Mischung verschiedenster Bevölkerungsgruppen und Kulturen. Dieser Zustand hält kurzweilig an, bevor sich der gesamte Vorgang in die andere Richtung neigt. Aufgrund der neu gewonnenen Attraktivität des Viertels steigen die Lebenshaltungskosten. Neben den steigenden Mieten können sich ärmere Bewohner und Bewohnerinnen viele der neuen kommerziellen Angebote, die oftmals als Ausdruck von mehr Vielfalt und Lebensqualität wahrgenommen werden, aufgrund der meist hohen Preise kaum mehr leisten. Vermieter renovieren und vermieten zu höheren Preisen an wohlsituierte Bürger, die nach und nach zuziehen. Die Folge: Sozialschwächere Bevölkerungsschichten werden verdrängt und müssen wegziehen. Dies wird am Beispiel Mülheim deutlich - in den letzten Jahren sind die Mieten im gesamten Stadtteil um 14 % gestiegen.

Grundsätzlich besteht ein Vorteil der Gentrifizierung in der Aufwertung eines Stadtteils und somit auch brachliegender Flächen und modernisierungsbedürftiger Gebäude. Die hierdurch entstehenden Kosten für Vermieter führen jedoch zu höheren Mieten. Ein Lösungsansatz hierfür wäre, öffentliche Zuschüsse zu nutzen, damit Modernisierungskosten nicht auf den Mieter umgelegt werden müssen. So könnte Wohnraum für sozialschwächere Schichten erhalten bleiben.

In Köln wird das Problem durch den zusätzlichen Bau öffentlichen Wohnraums angegangen. Zahlreiche Bauprojekte befinden sich in den Planungs- und Bauphasen, welche mehrere tausend Quadratmeter öffentlich geförderten Wohnraum entstehen lassen sollen.

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