Das Großraumbüro – Ein nachhaltiges Modell oder vergänglicher Trend?

von Tim Schwarzmann

von Tim Schwarzmann

Seit einigen Jahren schlägt der Begriff „Großraumbüro“ in der Arbeitswelt immer größere Zeilen und immer mehr Unternehmen orientieren sich an dem Unternehmensmodell des Silicon Valley in den USA.


Dort ansässige Unternehmen wie Google, Yahoo, Apple etc. gelten als die innovativen Vorreiter unserer Zeit, was dazu führt, dass sich auch immer mehr kleinere Unternehmen und Start-Ups dieses Modell zum Vorbild nehmen – die Nachfrage nach offenen Arbeitswelten boomt. Man will also weg vom konservativen Gedanken der Leistungsfähigkeit des Individuums – das WIR steht im Vordergrund. Jedes Unternehmen sei nur so stark wie die Kraft der Gemeinschaft und des gemeinschaftlichen Handeln und Denkens. Die Problemlösung scheint dafür also gefunden geworden zu sein, wie der damalige Google-Chef Eric Schmidt und ehemaliger Senior Vice President of Products Jonathan Rosenberg in ihrem Buch „Wie Google tickt“ beschreiben. Man müsse seine Mitarbeiter und „kreativen Geister“ zusammentun. „Die Mischung, die herauskommt ist explosiv“, so erklären sie. Jede Wand, jede Tür und jeder Zwischengang scheint also ein Hindernis für Ideenfluss und Kommunikation zu sein und dem großen Erfolg im Wege zu stehen. Das führt zu einer Umstrukturierung der Arbeitswelt wie man sie vor einigen Jahren kaum anders kannte. Aus der typischen Einzel- bis Doppelbüroraumsituation entstehen riesige offene Flächen, die oft nur durch wenige Säulen gestützt werden. Teilweise werden Sitzstrukturen und eigene Arbeitsplätze sogar ganz abgeschafft. Während früher die Größe des eigenen Büros als eine Art Statussymbol galt, sind heute oftmals sogar die obersten Chefetagen nur noch durch dünne Glaswände abgetrennt.

Dennoch scheint auch hier der Grundsatz, dass jedes System eine Lücke hat, zu gelten. Studien, wie die der Harvard Business School (HBS), erwecken den Eindruck, dass sich diese Ideen nicht unbedingt nur positiv auf das Arbeitsklima auswirken und zu einer besseren Form der Zusammenarbeit führen. In dem Experiment wurden zwei verschiedene Bürotypen verglichen, die beide zu Großraumbüros bzw. Open Space Offices umfunktioniert wurden. Es zeigte sich im Laufe der Untersuchungen, dass nicht nur der persönliche Austausch der Mitarbeiter untereinander um bis zu 70 % zurückging, sondern auch die Anzahl der gesendeten Emails um 20 % bis 50 % stieg. Dieses Ergebnis scheint zunächst überraschend und widersprüchlich, doch gebe es für solche Reaktionen eine Erklärung, so der Arbeitspsychologe Bernhard Zimolog in einem Interview mit der Zeitschrift „Die Zeit“. „Es ist ein natürliches Bedürfnis, sich auch mal zurückzuziehen – und der Wunsch danach wird durch offene Bürostrukturen gefördert.“ „Auch wenn offene Büros zur Kommunikation anregen, sie verstärken auch den Wunsch nach Rückzug. Darüber müssen wir uns klar sein.“

Es lässt sich erkennen, dass das Großraumbüro zwar durch die Transparenz und Kommunikationsmöglichkeiten eine Menge Vorteile bietet, die das Zusammenarbeiten deutlich flüssiger machen kann. Doch muss auch hier dem Einzelnen die Option auf Privatsphäre und Ruhe gegeben werden. Es sollte also auch jedem Unternehmen daran liegen den Mitarbeitern Möglichkeiten zu geben, sich zurückziehen zu können und sich selbst zu verwirklichen, ohne in der Anonymität der Menge unterzugehen.

Zurück